04 | 09 | 2010
Geschichte

 

Eine Schule in Bewegung - Die Geschichte der Fröbelschule Arnsberg
Der Stein des Anstoßes - „Jedes Kind besitzt einen Anspruch auf Förderung gemäß seiner Begabung“
Die Geschichte der Fröbelschule Arnsberg beginnt unter anderem mit dem oben genannten Zitat, das 1951 als Schlagzeile in der örtlichen Presse erscheint und einen Artikel einleitet, der sich mit der Notwendigkeit einer Fördermöglichkeit für lernschwache Schüler befasst. Im Jahre 1952 beschließt der Rat der Stadt auf langjährigem Antrag der Volksschulrektoren endlich, die erste Sonderschule für lernbehinderte Kinder im Bereich des heutigen HSK einzurichten.


Der Stein kommt ins Rollen - Die Anfänge
Der Sonderschullehrer Gustav Biener wird mit der Aufgabe, die erste Sonderschule des heutigen HSK zu erreichten, betraut. Er ist nicht nur Begründer der Schule, sondern prägt 37 Jahre lang (35 Jahre in der Funktion des Schulleiters) entscheidend die Entwicklung der Schule.
Am 15.Mai 1952 beginnt der Unterricht mit zunächst einer Schulklasse an in den Räumen der ehemaligen Norbertusschule. Anfängliche Bedenken und Vorurteile der Eltern betroffener Schüler können mit Einfühlungsvermögen gemildert werden, so dass die Schülerzahl bald ansteigt. 1953 erhält die Schule den Namen „Fröbelschule“.


Eine Schule auf Wanderschaft - Die Raumfrage
Die ständig steigenden Schülerzahlen und das Fehlen eines geeigneten Schulgebäudes führen dazu, dass die Fröbelschule in den ersten sechs Jahren dreimal umziehen muss. Im Jahre 1966 kann die Fröbelschule zum ersten Mal in ihrer Geschichte mit der ehemaligen Norbertusschule neben der Probsteikirche ein eigenes Schulgebäude beziehen. Doch von Anfang an reicht auch hier der Platz nicht für Fachräume wie Werk-, Hauswirtschafts- und Medienräume. Weiter steigende Schülerzahlen führen im Schuljahr 1971/72 zur Eskalation: 220 Kinder in 13 Klassen müssen in den acht vorhanden Klassenräumen und zwei kleinen Zimmern, die von der Probsteigemeinde zur Verfügung gestellt werden, unterrichtet werden. In einem Schreiben an den Schulausschuss steht unter anderem:
[...] In einem 15m² kleinen Raum werden die beiden Vorstufen unterrichtet, d.h., dass sich in diesem Zimmer 23 Kinder aufhalten müssen. Da natürlich die notwendige Zahl von Tischen und Stühlen nicht aufgestellt werden kann, sitzen die Kinder zum Teil auf einer gefährlichen Steintreppe, die sich in dem Zimmer befindet und auf der Fensterbank. Sie schreiben auf den Knien. Da sich unter den Kindern Bettnässer befinden, ist der Geruch unerträglich. Das einzige Fenster kann nicht den ganzen Vormittag offengehalten werden, da es sonst im Zimmer zu kalt wird. [...]
Nach einer Begehung steht fest, dass die Verhältnisse untragbar sind. Im April 1972 wird daher auf der Klosterstraße ein Neubau errichtet, der bereits Ende Juni zusätzlich bezogen werden kann. Nun ist endlich Platz für einige Fachräume. Die Raumfrage ist aber immer noch nicht befriedigend gelöst. Während des Vormittags sind ständig Schülergruppen im Stadtgebiet auf „Wanderschaft“: Hauswirtschaft in der Grundschule Niedereimer, Werken in der Prälaturstraße, Sport für Ober- und Mittelstufe in der Sauerschule oder in der Rundturnhalle, Sport für die Unterstufe in der alten Turnhalle des Laurentianums und im Gymnastikraum der neuen Norbertusschule, Schwimmen im Hallenbad oder in der Sauerschule.
1989 kommt es zu einem entscheidenden Einschnitt in Arnsbergs Schulgeschichte, die Comeniusschule (Hauptschule) auf dem Schreppenberg wird mit der Theodor-Heuss-Schule zusammengelegt. Somit steht ein Schulgebäude mit Fachräumen wie Werk- und Hauswirtschaftsräumen sowie angegliedertem Schwimmbad Sporthalle und Sportplatz frei.
Nach Umbau- und Renovierungsarbeiten kann die Fröbelschule das großzügige Gebäude am 25.01.1990 beziehen.
Hier sind wird man nun endlich sesshaft. Im Laufe der Jahre werden noch die Räumlichkeiten des ehemaligen Grundschulseminars übernommen und einige Räume der benachbarten Grundschule genutzt.
Eine wesentliche Änderung gab es noch einmal in diesem Jahr. Nachdem unser ehemaliges Hausmeisterehepaar ausgezogen ist, können wir deren ehemalige Wohnung im Schulgebäude als Probewohnung und für soziales Training in Kleingruppen nutzen.


Noch mehr Bewegung - Schulversuche und Projekte
Erste Sonderschule für Lernbehinderte eines Kreises zu sein, das verpflichtet natürlich dazu die Entwicklung im Bereich der Förderung Lernbehinderter entscheidend mitzugestalten. So zeigt sich die Fröbelschule seit jeher offen für Schulversuche und Projekte.
1977 startet an der Fröbelschule der „Schulversuch 10. Schuljahr“. Hier wurden im ersten Jahr 18 Schülerinnen und Schüler aus der Fröbelschule und drei weiteren Sonderschulen an der Fröbelschule auf den Hauptschulabschluss vorbereitet.
Unter der Leitung von Edwin Müller, der 1989 Gustav Biener in der Schulleitung ablöst geht die Fröbelschule einen ganz neuen Weg, sie weitet ihre Förderung auf verhaltensauffällige und erziehungsschwierige Schüler aus.
Nachdem im Jahre 1991 zunächst ein Lehrer der Fröbelschule, Martin Biener, als Ansprechpartner für andere Schulen im Hinblick auf Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten bereit steht, wird ab dem Schuljahr 1992/1993 aufgrund der großen Nachfrage eine Stammgruppe für erziehungsschwierige Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse an der Fröbelschule eingerichtet. Diese soll eine wohnortnahe Beschulung dieser Schüler gewährleisten.
Einmal diesen Weg eingeschlagen, nimmt die Fröbelschule am Förderschulversuch teil. Seit diesem Zeitpunkt werden an der Fröbelschule Kinder mit Lernschwierigkeiten, Erziehungsschwierigkeiten und Sprachbehinderungen gemeinsam unterrichtet.
Seit dem Jahr 1995 wird das Kollegium der Fröbelschule durch einen Schulsozialarbeiter unterstützt, der ganz neue Blickrichtungen in die Schule bringen und eine Brücke zwischen Jugendhilfe und Schule schlagen soll.
In den folgenden Jahren engagieren sich die Lehrer der Fröbelschule in unterschiedlichen Projekten und Vorhaben, wie GÖS-Projekten z.B. zum Aufbau eines Schulkiosks, der Entwicklung eines Konzeptes zur beruflichen Eingliederung, Theater- und Musikprojekten und einigem mehr.
Seit dem Schuljahr 2002/2003 bearbeiten Lehrer der Fröbelschule im Rahmen eines Comeniusprojektes gemeinsam mit Lehrern aus Island, Österreich und Bulgarien das Thema „Wie wir Kinder und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten helfen können“.
In Kooperation mit der Stadt Arnsberg und dem SKF konnte im gleichen Schuljahr ein neues Projekt „Time-out“ an der Fröbelschule installiert werden, das durch gezieltes soziales Training präventiv die soziale Eingliederung der erziehungsschwierigen Schüler erleichern soll. Nun steht auch eine Psychologin sowohl Eltern uns Schülern als auch Lehrern als Ansprechpartnerin zur Verfügung.


Wir bleiben in Bewegung - Ausblick
Und noch ein riesiges Projekt haben wir im Jahr 2002 in Angriff genommen, die Teilnahme am Projekt selbständige Schule - ein Schulentwicklunsprojekt, das auch in Zukunft dafür sorgen wird, dass die Fröbelschule in Bewegung bleibt.